Ein Fund im Watt / A bottle found in the mudflats

briefAls ich gestern das Adventspaket von meinen Schwiegereltern geöffnet habe, hat mich eine sehr erfreuliche Überraschung erwartet: Nach unserem Umzug nach England, haben wir einen Nachsendeauftrag an deren Adresse eingerichtet, und in dem Paket lag ein Brief für mich. Darin habe ich eine wunderbare Findergeschichte gefunden, komplett mit einer Zeichnung über den Fund und das Öffnen der Flasche.
Vermutlich war es die Flasche unten, die die geöffnet wurde. Es ist eine der Flaschen, die ich im Sommer in Hamburg zu Wasser gelassen habe. Die elfjährige Finderin war auf einem Campingurlaub auf einer der Inseln in der Elbe. Auf einer Wattwanderung hat sie die Flasche gefunden, geöffnet wurde sie abends am Lagerfeuer, und drin war – eine Geistergeschichte!
flaschenposten 29-01 kleiner gefunden
It was most likely the above bottle that was found recently; it is one of the bottles that I put into the river Elbe this summer. The 11 year old finder was camping on one of the islands in the Elbe. On a hike through the mudflats they found the bottle, opened it in the evening at the campfire, and inside they found: a ghost story. – If that isn’t the perfect setting for this bottle to be found and opened, then I don’t know what is.

This is the only bottle so far, that I have send almost identically twice so far. And it is the only bottle so far that does not contain graphic artwork but only text.

Es handelt sich dabei um eine der wenigen Flaschen, die nicht graphische Kunst sondern nur Text enthalten. Genauer gesagt meine Kurzgeschichte “Manloweigh”. Es ist auch eine der wenigen Flaschen, die nicht einzigartig sind. (Bislang habe ich zwei von ihnen gemacht und ausgesetzt, eine in Philadelphia und diese in Hamburg.)

flaschenpost no29 making of kleinerObwohl es eine Kurzgeschichte ist, ist sie dann so kurz doch nicht. Ich habe sie einfach mit dem Computer mehrspaltig ausgedruckt, auseinandergeschitten und mit der Maschine zusammengenäht. Die Rolle, die ich dann daraus gedreht habe, passt gerade so durch die Flaschenöffnung.

Although the content is a short story, it is not that short. I printed it in several columns on my computer, cut the text block, and sew everything together to one long scroll. I then would it up as tightly as possible, but it was a tight fit and passed just so through the opening of the bottle.

flaschenpost no29 making ofI had been anxiously (with mischievous giggles) waiting for someone to find one of these bottles: My contact data, and the information that this is part of an art project are at the very end of the scroll, and it simply starts like this:

Ich habe sehr darauf gewartet, dass eine Flasche mit dieser Kurzgeschichte mal gefunden wird. Meine Kontaktdaten finden sich erst ganz am Ende der Rolle, und der Text beginnt so:

I arrived here in a hurry, and I am just moving through. I am traveling with the clouds these days, searching for a place without rain where I can stay. I am not in search for good weather, though. Where I come from, rain does not mean bad weather, nor does it indicate good weather. Where I come from, rain just is. When I tell people about it, they often ask me how many words for rain we have, apparently assuming it must be many. I never understood why they would think that. – Rain is not a topic we talked about.

And the rain is not depressing , but really beautiful with the sun glistening on the moisture that is everywhere. Oh, and we have colors there like they don’t exist here: fresh green leaves, full red and violet blossoms, and deep yellow stones were the colors inside my village. Dark cobblestones that shone like mirrors in the sun, old walls with fat moss between the stones, poppy and lilac growing in old gardens… I don’t expect to ever see as beautiful women again as we had them there: with watery diamonds in their hair, on their fingertips, and eyelashes.

I miss my home which was all I knew for the biggest part of my life. But thinking of that village also sends chills down my spine, and lets my legs move faster, fleeing the rain, the memories, fleeing home, and probably prosecution.

I have convinced myself that it will do me good to tell my story of what happened that night before I left. – A confession, if you want to call it that. And it seems fitting to submit it to water again, a stream of gathered rain. That apparently now there is someone reading this, is a surprise. I wonder what you will make of this. So be my judge or my priest, as you will, but listen!

[…]

Ich habe mich immer gefragt, wie lange ein Finder wohl liest, bis er merkt, dass es sich um Fiktion handelt.
Ich glaube, die Geschichte passt gut zu der Lagerfeueratmosphäre, die die Finderin beschreibt. Ich freue mich sehr, ihren Campingurlaub ein bisschen abenteuerlicher gemacht zu haben!

Ich glaube es wird Zeit, mal wieder ein paar neue Flaschen schwimmen zu lassen!

I always wondered how long it would take a finder to realize that this is not a genuine message but fiction. Well, I’ll ask that little girl, and will let you know when I find out more. For now I am just very happy to have added a little extra adventure to a camping vacation, and a ghost story to a campfire night.

Well, time to get some new bottles afloat!

Kurzer Reise- und Abwurfbericht

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Ich war wie angekündigt am letzten Wochenende ein wenig in Deutschland unterwegs, und habe derweil so die eine oder andere Flasche abgeworfen. Erste Station war Bremen. Oben seht ihr die Weser von der Wilhelm-Kaisen-Brücke aus. Ich bin einfach am Hauptbahnhof ausgestiegen, und ohne Karte Richtung Altstadt und durch bis ich auf die Weser gestoßen bin. Weil ich es (wegen Zugverspätung auf der Hinfahrt) ziemlich eilig hatte, um den nächsten Zug zu bekommen, habe ich die drei Flaschen, die ich vorbereitet hatte fast gleichzeitig eingeworfen.

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Oben die drei Flaschen noch auf der Brücke, unten dann schon im Wasser.

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Die Flaschen dümpelten so langsam nebeneinander, dass ich schon Angst hatte, ich hätte statt der Weser einen Kanal erwischt. Nun ja, ich bin gespannt, ob und wie sie gefunden werden. Ob sie wohl bei einander bleiben?

Danach ging es nach Hamburg:

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Wer sich nur ein bisschen auskennt erkennt oben die Landungsbrücken. Ich bin mit der Fähre nach Finkenwerder gefahren, und habe auf dem Weg so die eine oder andere Flasche in die Elbe geworfen. Die Fähre war ziemlich voll mit Touristen, ich musste mir immer wieder den Weg zur Reeling bahnen, und hatte leider keine Kapazitäten frei, um den Abwurf einzelner Flaschen zu dokumentieren. Unten sehr ihr meine Schachtel und mein Notizbuch, in dem ich festgehalten habe, wann ich was abgeworfen habe.

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Das ist die Fähre, auf der ich gefahren bin. Ich bin in Finkenwerder erstmal ausgestiegen, und konnte sie deshalb von außen fotografieren.

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Auf einer kurzen Überfahrt nach Teufelsbrück bin ich dann die letzten beiden Fläschchen losgeworden:

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Insgesamt habe ich 7 Flaschenposten der Elbe übergeben. Und dann ging es schon wieder weiter nach Göttingen. Da habe ich mal studiert, eine meiner Schwestern studiert da zur Zeit, und deshalb habe ich auch eine Flasche für die Leine aufgehoben. Nicht, dass ich mir für diese besonders gute Chances ausrechne. Aber wer weiß…

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Das ist die Flasche, die ich noch übrig hatte: Nummer 25.

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Und hier treibt die Flaschenpost unter der nächsten Brücke.

I apologize for the lack of an English description for this article. I might add one next week and will let the photos speak for themselves for now. I need to pack my bags to catch the ferry for my next travel. More to come…